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Historie
Die Sage vom versunkenen Reiter im Borngrund  Von der Südseite des Dorfes Schmidthachenbach breitet sich ein wunderschön gelegener Wiesengrund aus, der seit Urväter Zeiten den Namen Borngrund führt. Diese Bezeichnung mag mit Recht von einer Stelle im oberen Teil des Grundes abgeleitet worden sein, die vor vielen Jahren ein trügerisches Moor war, ein der Form nach größerer runder brunnenartiger Sumpf, der im Volksmund die Bezeichnung „Volebure“ trägt. An dieses Moor, das vor 60 Jahren noch eine weiche, trügerische Decke hatte, knüpft sich folgende Sage:  Zur Zeit des 30jährigen Krieges wars. Die Nachhut eines Schwedenheeres lag im Nahetal und wurde eines Abends von einem starken kroatischen Reiterkorps angegriffen. Der Kommandant der Schwedentruppe, wohl wissend, dass auf der Heide bei Sien seine Vorhut lagerte, beauftragte einen zuverlässigen Reiter, schnellstens aufzubrechen und von dort her in derselben Nacht noch Hilfe herbeizuholen. Der einsame Reiter, von der Nahe her das Tal heraufkommend, nahm seinen Weg durch den genannten Borngrund, der damals noch zum größten Teil mit Wald bestanden war. Die Nacht war finster. Der Reiter, des Weges unkundig, hielt öfters sein Pferd an, um sich zurecht zu finden. Da sieht er das im Abendzwielicht etwas heller leuchtende Moor. Von froher Hoffnung erfüllt, endlich aus dem Waldesdunkel herauszukommen, wollte er sein Pferd dieser Stelle zulenken. Da taucht plötzlich vor ihm ein Licht auf; es schien aus der Tiefe zu kommen. Da, ein zweites, ein drittes, die irrend vor ihm her schweben. Und dann glaubt er, in dem magischen Lichtschein eine weißverschleierte Frauengestalt zu erblicken, die die Arme sehnsüchtig nach ihm ausstreckt.  Seinem Pferd die Sporen geben und mit gewaltigem Sprunge ahnungslos mitten in das trügerische Moor hinein setzen, war das Werk eines Augenblicks. Noch einige Male mit den Vorderhufen wild um sich schlagend sank das Pferd im nächsten Augenblick mit seinem Reiter vollständig unter, und brodelnd schloß sich der trügerische Pfuhl über seinem Opfer.  Die Irrlichter tanzten weiter über das Moor, und die Nebelgestalt zerstob mit leisem Wehklagen im Winde. Heute, wo die Stelle entwässert und der Boden ausgefüllt ist, schreitet der Mensch mit Pferd und Maschine festen Fußes darüber hin, und nichts erinnert mehr an den früheren Zustand als der Name „Volebure“. Diese Sage, die ihren Ursprung im 30jährigen Krieg (1618 – 1648) hat und im Volksmund weitererzählt wurde, schrieb Carl Deibel um 1912 auf. Sie wurde damals im Kirner Heimatblatt veröffentlicht und fand neben der Sage um den Hunnenstein Eingang in die Sagensammlung des Nahelandes.   Am Hunnenstein Der sagenumwobene „Hunnenstein“ oder auch „Hollenstein“ genannt, ist eng mit der Geschichte der umliegenden Dörfer verwoben. Er liegt auf Schmidthachenbacher Gemarkung auf 374 Metern über Null, in der Nähe zur Mittelreidenbacher Grenze.  Seine nachweisbare Geschichte reicht mindestens bis in die Frankenzeit zurück, als der Stein als einer der Grenzsteine des Heidegerichts zu Sien genannt wird welches unter Nahegaugraf Megingaud um 870 errichtet wurde. Im Weistum des Gerichts Becherbach von 1497, zu dem damals auch Schmidthachenbach gehörte, taucht der Stein in einer Grenzbeschreibung ein weiteres Mal auf. Dort trägt er den Namen „Hellenstein“ . Doch es ranken sich noch zwei Sagen um den Stein. Die erste reicht hinab bis ins Mittelalter: Der Ritter Udo von Hachenfels jagte eines Tages in seinem wildreichen Waldgebiet. Nach langer, ergebnisloser Verfolgung eines Hirsches kam er von seiner Jagdgesellschaft ab, legte sich ermüdet auf das weiche Moospolster unter einen schattigen Baum und schlief ein. Im Traume erschien ihm Frau Holle und bedeutete ihm, ihr an dieser Stelle ein Denkmal zu errichten, denn wenigen sterblichen werde die Gnade zuteil, ihr Angesicht schauen zu dürfen, und die, denen es vergönnt wäre, müssten ihr um der ewigen Seligkeit willen einen Gedenkstein errichten. Darauf verschwand sie. Der Ritter erwachte und siehe, einige Schritte vor ihm lief ein altes Weiblein mit rotem Kopftuch und einem Sack auf dem Rücken eiligen Schrittes talabwärts. Ritter Udo glaubte in der Tat, Frau Holle vor sich gesehen zu haben und ließ getreu seinem im Traum gegebenen Versprechen einen riesigen Stein vom Hachenfelsen sprengen und ihn an der Stelle seines Traumortes aufrichten, der nach dem Namen der Frau Holle Hollenstein genannt wurde, welchen Namen er bis zum heutigen Tage noch trägt. Die zweite Sage reicht noch weiter zurück, bis in das dunkle Zeitalter, als die Hunnen über unser Land hereinbrachen und erst im Jahre 451 von Römern und Westgoten auf den Katalaunischen Feldern zurückgeschlagen wurden: Als die Hunnen vor eintausend und fünfhundert Jahren den ganzen Süden des Reiches überschwemmten, kamen sie auch durch unsere Heimat. Ein Trupp dieses kriegerischen Raubvolkes zog mit seinem Heerführer in der Mitte über die genannte Heerstraße. An einer ziemlich freigelegenen Stelle schlugen sie ein Lager auf und raubten und plünderten von da aus in den umliegenden Weilern und Gehöften. Als der Heerführer eines Tages mit einem Haufen Plünderer wegen ungerechter Teilung der Beute in Streit geriet, wurde er von ihnen erschlagen. Man begrub ihn an derselben Stelle mit seinen sämtlichen Schätzen und dem von Gold strotzenden Kriegsschmuck und richtete ihm zum Gedenken einen riesigen Stein auf seinem Grabe auf, welcher seitdem Hunnenstein genannt wird. Eine weitere Deutung könnte den Stein noch weiter zurückdatieren, ins vorchristliche Zeitalter, zu dem geheimnisvollen Volk der Kelten, dessen Anwesenheit in der hiesigen Gegend sich durch zahlreiche Grabfunde nachweisen lässt. Dort könnte der Menhir Teil eines Heiligtums oder einer Opferstätte gewesen sein. Wenn sich auch der wahre Ursprung des Steins vielleicht nie ergründen lässt, so kann sich der einsame Wanderer dem Reiz des Ortes mit seinen sagenhaften Geschichten kaum entziehen.   Schinderhannes im Antestal ? Was verbindet eigentlich den berühmten Räuberhauptmann mit dem Antestal ? Vor über 200 Jahren fand genau hier an der ehemaligen Antesmühle ein Raubüberfall durch ihn und seine berüchtigte Bande statt. Man schrieb das Jahr 1800. Die Franzosen hatten unter Napoleon unser Gebiet erobert und es unter ihre Verwaltung gestellt. Es war auch die Zeit von zahlreichen Räuberbanden, die ihr Unwesen trieben. In diese Zeit fällt die folgende Begebenheit: „Am 10.1.1800 nachts um halb elf hatte sich die Bande mit 24 Mann Zutritt zur Antesmühle verschafft. Sie hatten sich Essen zubereiten lassen, den Müller Michel Horbach grausam verprügelt, um Geld von ihm zu erpressen, allerdings vergeblich, hatte Kleider gestohlen, in die Stubendecke geschossen und die Fenster eingeschlagen. Anschließend war die Bande ins Nachbardorf Otzweiler weitergezogen , hatte sich unter einem Vorwand Zutritt ins Haus des Landwirts Peter Riegel verschafft, um das bei ihm vermutete Geld zu rauben. Es fielen fünf Schüsse im Hausgang. Peter Riegel wurde erschossen, als er fliehen wollte, sein Schwiegersohn Conrad Bauer schwer verletzt.“ Im Originalverhörprotokoll des Schinderhannes vom 8. September 1802 in Mainz heißt es: Richter: „Ihr sagtet in eurer Antwort auf die 271ste Frage, ihr wißtet nicht, das in der Mühle zu Schmitthachenbach gestohlen worden: Müßt ihr nicht gestehen, dass Gilchert auf besagter Mühle dem Peter Bart, Tochtermann des Michel Horbach Müller allda, sechs Bazen gestohlen hat und andere, Kleider, Strümpfe, Schuhe ? Daß sie gesagtem Horbach die Pistole auf die Brust setzten, um Geld von ihm zu erpressen und dass sie im Fortgehen die Fenster zerbrachen ? Schinderhannes: „Ich weiß nichts von einem Diebstahl, ich erinnere mich aber dass Cristoph Blum die Fenster zerbrochen hat.“ Der Schinderhannes wurde schließlich wegen einer Vielzahl solcher Verbrechen verurteilt und im Jahre 1803 zusammen mit 19 Gefolgsleuten in Mainz hingerichtet.
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